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Erst Nase, dann Augen, dann Ohren

Erst Nase, dann Augen, dann Ohren

Wie nehmen wir unsere Umwelt wahr? Zuallererst kommen unsere Augen. Dann die Ohren. Dann die Nase. Unser Geruchssinn ist einer der am wenigsten eingesetzten Sinne beim Menschen. Hunde hingegen nehmen ihre Umwelt zuerst mit ihrer Nase wahr. Dann kommen die Augen. Und dann die Ohren. Was genau damit gemeint ist?

Wenn wir uns einer fremden Person näheren, dann versuchen wir zuerst, Augenkontakt herzustellen, gefolgt von einem Handschlag oder sogar einer Umarmung. Dieser direkte Ansatz ist in der Hundewelt eher unhöflich. Wenn sich zwei Hunde auf eine solch frontale und direkte Art und Weise begegnen würden, dann würde das höchstwahrscheinlich zu einem Kampf führen – denn beide Hunde sähen diese Art Körpersprache als eine Heraus- und eine Aufforderung!

Hunde gehen eine solche Begegnung eher indirekt an und wollen eine Konfrontation zuallererst vermeiden. Zuerst wird die Rückseite des Neulings untersucht – oder anders ausgedrückt: der Hintern wird beschnüffelt. Meist kreisen zwei Hunde dabei umeinander herum. Das ist ein höfliches Ritual und deshalb erforderlich, weil sie so herausfinden können, wie der andere Hund drauf ist und welche Energie er hat. Der Geruch eines Hundes ist wie eine ausführliche Visitenkarte und enthält noch viele andere Informationen über deren Alter, Gesundheit etc.

In der Hundewelt ist der individuelle Geruch eines jeden Hundes wie ein Namensschild. Daran können die einzelnen Tiere erkennen, ob sie miteinander spielen wollen, oder nicht. Wenn ein Hund kein Interesse hat, dann geht er einfach weg. Wenn der Hund jedoch mit dem anderen spielen will, dann drehen sie sich zueinander um und schauen sich zum ersten Mal an.

Was also für uns Menschen eher unhöflich erscheinen mag, ist für den Hund ein Zeichen des Respekts. Wenn wir uns also einem neuen Hund näheren, dann sollten wir das Tier nicht sofort mit Umarmungen anspringen und ihm dann lachend unsere Zahnreihen zeigen (Ja- in der Hundewelt könnte das als Zähnefletschen gesehen werden!). Stattdessen sollten wir dem Vierbeiner die Chance geben, uns mit seiner Nase zuerst einmal auszuschnüffeln und uns so kennenzulernen. Der Hund wird dir sehr schnell mitteilen, ob er oder sie einen weiteren Kontakt mit dir haben will oder nicht. Z.B. wenn die Bordeaux-Dogge Lilly sich dann entspannt gegen dein Bein lehnt oder wenn der freche Terriermix Kasper dann doch kein Interesse zeigt und lieber davonrennt.

Hunde lesen ihre gesamte Umwelt mit ihrer Nase und sie sind wahre Olympiameister darin. Ihr Geruchssinn ist so viel stärker, als der eines Menschen – 10.000fach stärker. Was das bedeutet? Übersetzt heißt das: wenn wir Menschen z.B. dazu in der Lage sind, einen einzigen Teelöffel Zucker in einer Tasse Kaffee herauszuschmecken, dann könnte ein Hund einen einzigen Teelöffel in fast 4 Millionen Litern Kaffee herausschmecken. Sie sind dazu in der Lage alle wichtigen Informationen anhand des Geruchs herauszufiltern. Diese Informationen filtern wir Menschen visuell – wie z.B. das Alter einer Person.

Deshalb entdecken Hunde ihre Umwelt mit ihrer Nase zuerst. Diese natürliche Haltung sollte deshalb so oft es geht gefördert werden – mit Schnüffelspielen und Suchaktionen, bei denen der Hund dann das versteckte Leckerchen irgendwo wiederfinden muss. Diese Spiele sind stimulierend und gut für das Wohlergehen unserer Fellnasen.