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Die Instinkte eines Hundes

Die Instinkte eines Hundes

Hunde handeln instinktiv. Menschen handeln anhand ihrer Emotionen und Erfahrungen. Ein verantwortungsvoller Besitzer wird diesen Unterschied erkennen und respektieren. Und er wird alles dafür tun, dass er den Hund versteht. Denn dein Hund versteht deine Sprache und deine Verhaltensweisen nicht, wenn diese von Emotionen oder Erfahrungen geleitet werden. Was damit gemeint ist?

Vielleicht glaubst du, dass die Kommunikation zwischen dir und deinem Hund sehr gut ist – vor allem dann, wenn du auf die Emotionen des Tieres reagierst? Leider ist das nicht richtig.

Hunde reagieren nicht emotionell – sie reagieren instinktiv

Wenn zum Beispiel deine Fellnase bei jedem Feuerwerk instinktiv fast aus der Haut springt und versucht, einen Fluchtweg in der Zimmerecke zu graben, oder sich zitternd in der dunkelsten Ecke verkriecht – dann reagieren wir Menschen fälschlicherweise oft so, wie wir auch ein Kind beruhigen würden – wir sprechen mit unserem Hund. Meist in Babysprache. “Alles wird gut. Du brauchst keine Angst zu haben.” Wir alle haben diesen Fehler irgendwann mal gemacht. Es ist in unserer menschlichen Natur.

Aber leider hört unser Hund die Bedeutung der Worte nicht so, wie sie gemeint sind. Das Tier sieht zuallererst einmal, dass sogar der Rudelführer – wir – der Situation nicht gewachsen ist und der Angst erst mal zustimmt. Was das verängstigte Tier hört ist “Es ist gut, dass du Angst hast, ok?”

Ein weiteres Beispiel ist das Bellen. Fifi wacht auf und fängt ganz plötzlich an zu bellen, weil da jemand durch den Hausflur oder draußen am Zaun vorbeigelaufen ist. Fifi will uns instinktiv nur warnen, aber wir waren gerade an der spannendsten Stelle in unserem Film und schreien unseren wild gewordenen Fellball etwas verärgert an “Halt die Klappe! Sei still!”. Fifi versteht in diesem Fall, dass auch du durch dein Schreien mit ihm bellst und die Reaktion ist das genaue Gegenteil von dem, was du wolltest. Er bellt noch mehr. Bellen ist gut. Sogar mein Herrchen bellt.

Hunde verstehen keine Worte, sondern sie reagieren auf die Energie, die wir haben. Im letzten Fall war das Ärger und Aufregung.

Fördere die Instinkte deines Hundes

Hunde sind sehr intelligent und werden nicht umsonst als Blindenführer und Sprengstoffspürhunde ausgebildet. Diese speziellen Hunde wurden mit besonderen Methoden trainiert und diese Methoden können in erster Linie immer auf die natürlichen Instinkte eines Hundes zurückgeführt werden.

Ein guterzogener Hund ist ein Hund, der nach seinen Instinkten leben darf – also ein Hund sein darf. Ein solcher Hund wird seinen Rudelführer, der seine Instinkte versteht, sehr viel schneller akzeptieren und vor allem respektieren, sodass der Hund dann auch die verrücktesten Vorhaben nicht einmal mehr in Frage stellt – denn Herrchen weiß schon, was er tut.

“Sitz” und “Platz” sind ja ganz nett, aber wenn es in einer gefährlichen Situation ganz plötzlich darauf ankommt, dass Brutus der Rottweiler sofort zurückkommt, dann zeigt sich die echte Verbindung mit seinem Herrchen (oder Frauchen). Am Ende wollen wir alle einen guten Hund – keine Zirkusnummer.

Instinkte verstehen

Eine der besten Methoden, um die Instinkte deines Hundes zu respektieren ist beim täglichen Spaziergang. Viele sehen diese Aufgabe eher als ein lästiges Übel an, dabei ist dies die beste Gelegenheit, um deinem Hund zu zeigen, dass du ihn und seine Bedürfnisse wirklich verstehst. Für einen Hund ist der Spaziergang der wichtigste Teil seines Tages, denn in der Wildnis würde jetzt das Rudel nach Futter, Wasser und einer Unterkunft suchen.

Du bist der Rudelführer eures Rudels und der Spaziergang sollte ein solches Erlebnis sein, wo der Hund instinktiv arbeiten muss und dann schlussendlich genau damit belohnt wird: Futter, Wasser und Unterkunft. Die tägliche Wiederholung dieses Rituals bestärkt im Kopf deines Hundes deine Fähigkeit als Rudelführer jeden Tag aufs Neue. Jeden Tag geht ihr beide hinaus in die “Wildnis” (oder auch Stadtpark genannt) und jeden Tag bringst du deine Fellnase sicher und gesund wieder zurück. Das baut Vertrauen auf.

Die andere Art, wie man die Instinkte eines Hundes nicht nur respektiert, sondern diese sogar fördert: indem man die Rasse berücksichtigt. Wenn du z.B. einen Husky hast, dann ehre dessen Instinkt zu arbeiten und lege ihm einen Rucksack an oder lasse ihn einen Karren ziehen. Ein Retriever liebt es, Dinge zurückzuholen, einzusammeln und das Wasser. Ein Collie liebt das Eintreiben von Schafen – aber wenn du gerade keine im Garten hast (Scherz!), dann kann Agility-Training hier genau diesen Trieb fördern und gleichzeitig die Sinne deines Hundes schärfen.

Wenn du also die Instinkte deines Hundes respektierst, sie verstehst und dann sogar je nach Rasse förderst, dann wird sich dein Vierbeiner damit bei dir bedanken, dass er ein ausgeglichener, bestärkter und ruhiger – oder in Menschensprache – gut erzogener Hund ist.